Evangelische Kirchengemeinde  Mosbach

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Unsere Kirche ist offen für Sie 

montags bis freitags von 13.00 bis 17.00 Uhr

     

Eine geöffnete Kirchentür ist ein deutliches Zeichen. Sie lädt ein hineinzukommen, sich umzuschauen, vielleicht auch Neues oder gar Fremdes wahrzunehmen und kennen zu lernen. Eine offene Tür zeigt mir: Ich bin willkommen! Ganz egal, wer ich bin, ganz egal, woher ich komme und wie es mir geht. Eine offene Tür macht auch neugierig auf das, was sich hinter ihr verbergen mag: neue Eindrücke, neue Begegnungen, vielleicht auch neue Erfahrungen.

So unterschiedlich wie die Interessen, eine Kirche zu besuchen, so unterschiedlich sind die Kirchen selbst. Seit mehr als 10 Jahren ist die Tür der Stiftskirche im Sommerhalbjahr (Mai – Oktober) an den Werktagen (Montag- Freitag) für 4 Stunden (13 Uhr – 17 Uhr) geöffnet und lädt Menschen aller Generationen dazu ein, sich mitten im Alltag eine „Auszeit“ zu nehmen und einfach einmal „auf einen Sprung“ hereinzukommen: vor dem Einkauf, nach der Arbeit, in der Mittagspause. Ein Angebot, das gern von Einheimischen und Gästen aus der Nähe und Ferne wahrgenommen wird. Der Kirchenraum der Stiftskirche wird in seiner klaren Gestaltung und Ruhe als einzigartig empfunden. Er lädt ein zur Begegnung mit Gott und regt zum Nachdenken über den Glauben an.

Viele der Besucherinnen und Besucher sind neugierig und erwartungsvoll. Sie sind offen. Sie möchten den Kirchenraum auf sich wirken lassen und diesen wahrnehmen im Schauen, Hören und beim Stillwerden. Dies geschieht am Altar oder unter der Kanzel, am Taufbecken oder Lesepult, an einem alten Grabstein oder vor einem Fresko, beim Hören der prachtvollen Orgel oder einfach auf einem Platz mitten im Kirchenschiff. Manche Dinge nehmen die Besucher dabei für sich allein wahr, anderes wollen sie mitteilen. Dies geschieht durch ein Gebet  oder durch den Eintrag in ein ausliegendes Fürbitten- oder Gästebuch.

So versuchen wir in unserer Stiftskirche dazu beizutragen, dass Menschen wieder einen Zugang zu den Fragen des Glaubens finden. Die Stiftskirche lädt ein zum Besuch. Und das lohnt sich nicht nur sonntags, sonder auch an allen anderen Tagen.

Der Öffnungskreis der Stiftskirche will mit dem 13.05. wieder die Kirchentür öffnen. Es ist geplant von montags bis freitags jeweils von 13 Uhr bis 17 Uhr die Kirche offen zu halten. Wir suchen dazu noch dringend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die für zwei Wochenstunden bereit sind ehrenamtlich tätig zu sein. Es werden keine besonderen Kenntnisse vorausgesetzt, jedoch erwarten wir Einsatzfreude, Pflichtbewusstsein und die Bereitschaft den Besuchern Auskunft zu geben. Für evtl. Rückfragen rufen Sie bitte im Pfarramt der Stiftsgemeinde Tel. 921933 an.

Unsere Kirche

      

    

 

Geschichte der Stiftskirche

   

  

          Die Kirche am Markt- bzw. Kirchplatz entstand in mehreren Bauabschnitten zur Zeit der Gotik. Sie steht auf dem Platz eines früheren Benediktinerklosters, das im Jahre 976 urkundlich erwähnt wird und sicher auch schon zu dieser Zeit eine Kirche besaß. Die jetzige Teilung der Kirche durch eine Trennwand in einen evangelischen und einen katholischen Teil wurde 1708 von dem damaligen Kurfürsten angeordnet, so dass wir heute noch eine getrennte Simultankirche haben. Besonders

               erwähnenswert in der Stiftskirche sind die spätgotische Kanzel und der Opferstock, sowie verschiedene Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert. Kirchengeschichtlich interessant sind weiterhin verschiedene Grabplatten, von denen die älteste gleich rechts an der Eingangstür aus dem Jahr 1312 stammt. Bei der Renovierung 1994/1995 wurde eine Grab freigelegt, dessen Besitzer identifiziert werden konnte. Unter den Grabplatten nimmt die bronzeüberzogene Grabplatte der Pfalzgräfin Johanna (gest. 1444) kunstgeschichtlich einen besonderen Platz ein.  Sie ist im katholischen Chorteil neben der spätgotischen Kanzel aufgestellt. Die katholische Kirche St. Juliana wurde in den Jahren 2001/2002 grundlegend renoviert. Sie erhält ihr Licht durch die 7  hohen gotischen Maßwerkfenster. Sehenswert sind auch die spätgotischen Schnitzaltäre und die Pieta, die teilweise aus dem 1808 aufgelösten Franziskanerkloster stammen. Die Kirche besitz eine romantische Orgel aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, die ebenfalls restauriert wurde.

Die ehemalige Stiftskirche St. Juliana in Mosbach - die katholische Seite

(Klicken Sie auf die Bilder, um zur vergrößerten Ansicht zu gelangen)


Geschichtlicher Überblick  -  von Dr. Almut Rumstadt



Die ehemalige Stiftskirche in Mosbach - Blick vom Marktplatz

Wenn heute zum katholischen Gottesdienst in St. Juliana die evangelischen Glocken der Stiftskirche läuten, so ist das für die Mosbacher Bevölkerung Alltag. Doch die Kirche am Mosbacher Marktplatz in der Innenstadt wurde erst durch die Reformation in der Kurpfalz 1564 ihrer ursprünglichen Funktion als kath. Stiftskirche enthoben und 1708 durch einen "Mauerbau", der den katholischen Teil vom evangelischen Teil der Kirche trennte, in ihre heutige Form mit zwei Konfessionen unter einem Dach gebracht.

 

Die Anfänge dieser Kirche gehen wohl auf eine in karolingischer Zeit entstandene Mönchssiedlung zurück, die zur Keimzelle der späteren Stadt wurde. Die früheste schriftliche Erwähnung verdankt das Kloster einem Eintrag in dem um 825 angelegten Gebetsverbrüderungsbuch der Abtei Reichenau. Doch zunächst verschwand das Benediktinerkloster für rund 150 Jahre, ehe es im November 976 von Kaiser Otto II. dem Hochstift Worms übereignet wurde. Durch diese Schenkung wurde Mosbach zu einem bischöflichen Eigenkloster, das um das Jahr 1000 in ein Kollegiatsstift umgewandelt wurde. 1258 wurde der Einfluss der Wormser auf das Stift durch den Würzburger Bischof beendet, der sich das Recht zur Ernennung des Propstes sicherte. Das religiös-kirchliche Leben des Stifts entwickelte sich rege, wenn auch in der Stadt noch eine eigenständige, der hl. Cäcilia geweihte Pfarrkirche, existierte, die 1291 das erste Mal erwähnt wird.




Geteilte Kirche: Der evangelische Teil...
(Altarbereich vor der Trennmauer)

Durch die Reformation änderte sich dann alles. Mit Kurfürst Ottheinrich sorgte 1556 ein überzeugter Anhänger des Luthertums für eine neue Kirchenordnung der Stiftskirche. Entsprechend dem Prinzip cuius regio, eius religio (d.h., die Konfession der Untertanen richtete sich nach dem Bekenntnis des Herrschers) befahl er die Abschaffung des kath. Gottesdienstes. Da die Stiftskirche für die Abhaltung des lutherischen Gottesdienstes ausreichte, gab er die entbehrlich gewordene Cäcilienkirche zum Abbruch frei. An ihrer Stelle trat das neue Rathaus, dessen unteres Turmgeschoss bis heute an die einstige Pfarrkirche erinnert und der Stiftskirche gegenüber liegt. Dort läutet noch immer eine "katholische" Glocke, die im Jahr 1458 gegossen wurde und den Namen "Lumpenglöckle" trägt. Sie läutet nach einer alten Tradition jeden Abend um 22.45 Uhr, damit alle den Heimweg finden/antreten.

 

Friedrich III. hob 1564 das noch bestehende Kollegiatsstift definitiv auf. Erst 1622 kamen wieder Patres nach Mosbach und bemühten sich um eine geregelte Pfarrseelsorge – doch eine Wiederbelebung des Chorherrenstifts stand nicht zur Diskussion. Die konfessionellen Konflikte dauerten an – mit jedem neuen Kurfürst tauchte erneut die Frage auf, welche Religion wo ausgeübt werden durfte.




... und der katholische Teil
(Lettner und Trennmauer)

Als 1698 eine simultane Nutzung des Kirchenraums durch Protestanten und Katholiken eingeführt wurde, sorgte dies für Unmut. Kurfürst Wilhelm verfügte am 30.05.1706, dass die Katholiken den Chor nutzen durften und den Protestanten das Kirchenschiff zugesprochen wurde. 1708 wurde eine Trennmauer auf dem Lettner errichtet, so dass der protestantische vom katholischen Teil definitiv seit dieser Zeit getrennt ist und ein neuer kath. Eingang notwendig wurde.

 

Da sich die Zahl der Katholiken in Mosbach im Laufe der Zeit vergrößerte, konnte auch der Bau einer zwei etagigen Empore in den Kirchenraum hinein nicht langfristig alle Feiernden aufnehmen. So wurde 1935 die neue Pfarrkirche St. Cäcilia vollendet, zu deren Filialkirche St. Juliana bestellt wurde. Trotzdem wurde der Chor in St. Juliana behalten – spiegelt sich in ihm und in der Trennung der Kirche doch deutlich die Geschichte des Mosbacher Glaubens wider. Die vor über 300 Jahren errichtete Trennwand zwischen Katholiken und Protestanten ist heute ein Denkmal kurpfälzischer Vergangenheit, zugleich aber auch die dauernde Mahnung, aus dem konfessionellen Gegeneinander ein christliches Miteinander werden zu lassen.


Zur Baugestalt der Kirche



Der katholische Chorraum

Über die genaue Lage und das Aussehen der ältesten Stiftskirche fehlt jegliche Information. Das gotische Gotteshaus, wie es sich heute präsentiert, war einst ringsum, selbst an der Seite zum Marktplatz hin, von Stiftsherrenhöfen und Wirtschaftsgebäuden eng umschlossen. Die Kirche selbst wurde in mehreren Bauphasen errichtet. Der hochaufragende Chor mit seinen eindrucksvollen zwei- und dreibahnigen Maßwerkfenstern, die einst wohl farbig verglast waren, dürfte um 1370 entstanden sein. Der Grundriß des 26 m langen und fast 10 m breiten Chores besteht aus vier querrechteckigen Jochen, die nach Osten von einem aus fünf Seiten eines Achtecks bestehenden, kreuzrippengewölbten Chorhaupt geschlossen werden. Die beiden westlichen Joche werden von seitenschiffartigen Kapellen begleitet, an die sich ein Turmpaar anschließen sollte. Hochgeführt wurde aber nur der Südturm, der am Zugang zur Wendeltreppe die Jahreszahl 1410 trägt. In Verlängerung des Chores wurde gegen 1390 – wohl unter Einbeziehung älterer Bauteile – das dreischiffig basilikale Langhaus angefügt. In diese Entstehungszeit weisen auch die spätgotischen Wandmalereien, die 1958 freigelegt wurden. Den Übergang vom Kirchenschiff zum Chor markierte ein hoher, farblich gefasster Triumphbogen, der bei der jüngsten Renovierung zum Vorschein kam. Unterhalb des Triumphbogens errichtete man um 1500 den mit einer Maßwerkbrüstung versehenen Lettner. Außer dem als Orgelempore im kath. Teil genutzten Lettner und der steinernen Kanzel von 1468, auf der zwei Engel das Schweißtuch der Veronika und das pfälzische Wappen halten, ist die mittelalterliche Ausstattung der Stiftskirche nahezu vollständig verloren. Erhalten sind nur noch eine Reihe wertvoller Grabdenkmäler.

 

Der evangelische Teil der Kirche (= Schiff) wurde ebenfalls mehrfach restauriert und es wurden dabei u.a. Fresken mit Texten in deutscher Sprache freigelegt sowie mittelalterliche Grabplatten (älteste von 1312) gefunden.

Beide Kirchen bieten durch ihre Bestuhlung flexible Möglichkeiten, Gottesdienste zu feiern, doch zeigen sich zwei völlig unterschiedliche Kirchenräume bei einer Besichtigung.


Getrennte Räume – gemeinsam getragene Aktionen



Altarraum;
Altar und Ambo von Bildhauer Rudolf Kurz, Ellwangen

Zwei Konfessionen unter einem Dach: Da kann es passieren, dass im evang. Teil der Posaunenchor den Gottesdienst gestaltet und im kath. Teil zur gleichen Zeit eine Orchestermesse gefeiert wird, so z.B. bei der Altarweihe in St. Juliana 2003. Doch dies ist möglich, da die Trennwand zwischen den Kirchen gut (Schall-)isoliert ist. Doch diese Isolierung bezieht sich nicht auf das Miteinander der beiden Konfessionen.

 

Mit Beginn des neuen Kirchenjahres 2003/2004 startete z.B. im kath. Teil der Kirche ein ökumenisch getragenes Projekt: Um mitten am Tag für 10 Minuten inne zu halten, gemeinsam Gott zu loben und im ökumenischen Miteinander eine Andacht zu feiern, haben sich die Mitglieder des "ökumenischen Tischs" (Treffen aller Hauptamtlichen beider Konfessionen) in Mosbach zusammengetan und seit dieser Zeit findet täglich von 12.30 – 12.40 Uhr die sog. "Mittags Pause" statt. Im Schnitt treffen sich hier bis zu 15 Personen, die von Hauptberuflichen beider Konfessionen sowie inzwischen auch durch einen Kreis Ehrenamtlicher bei der Andacht begleitet werden.

 

Die Kirche ist am Marktplatz, dem historischen und touristischen Zentrum der Stadt – Grund genug, bei der Öffentlichkeit immer wieder mit gemeinsamen Aktionen für die beiden Kirchen und gelingende Ökumene zu werben. So entwickeln die Verantwortlichen im Moment mit der Stadt ein Konzept, wie die ökumenische Aktion "Advent ist im Dezember" noch besser vor Ort umgesetzt werden kann. Und es werden sicher noch weitere Ideen unter diesem einen gemeinsamen Dach der ehemaligen Stiftskirche St. Juliana entstehen.


 Dr. Almut Rumstadt

 

Literaturhinweis:

Die ehemalige Stiftskirche St. Juliana in Mosbach. Festschrift aus Anlass der Renovierung des kath. Teils in den Jahren 2000 bis 2002. Hrsg: Pfarrgemeinde St. Cäcilia in Mosbach, Mosbach 2002. (Bestellbar unter Tel.: 06261-2423)